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Maps!

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3. Januar 2021

Okay, reisen können wir alle gerade nicht, da gibt es nichts zu beschönigen. Was mir schon immer gut am Reisen gefallen hat – und das geht auch in Quarantänezeiten – ist der Blick in die Landkarte und darum soll es hier gehen: Von der Faszination von Karten und dem Einsatz von Mappingtechniken in der Toolbox des Designers. Was ist so toll an Karten und wie werden sie genutzt?

Karten dienen dem schnellen Umschalten von der Frosch- zur Vogelperspektive, sie geben Überblick und ein besseres Raumgefühl für die nähere Umgebung. Sie erlauben die eigene Standortbestimmung und zeigen die ver­fügbaren Möglichkeiten: Ich bin hier und kann dorthin gehen – oder eben nicht, weil ein Fluss, Berg oder sonstiges Hindernis den Zugang verhindert. Diese Vereinfachung der komplexen Welt ist auch genau das, warum wir bei allen möglichen Planungsprozessen auf Karten und die dazugehörigen Darstellungstechniken zurückgreifen: Wir machen uns die Sache ein bisschen einfacher. Denn wir können beim Kartieren blitzschnell Details sortieren: Wichtiges, Markantes, Chancen- und Risikoreiches wird vermerkt, Unwichtiges, Langweiliges, Redundantes kann kann getrost weggelassen werden. Behindert sonst nur die Sicht.

Eine gute Karte ist also eine Hilfe bei der Bewältigung einer ansonsten reizüberflutenden Welt.

Eine gute Karte ist also eine Hilfe bei der Bewältigung einer ansonsten reizüberflutenden Welt. Das funktioniert in beide Richtungen: Zum einen bei der Repräsentation der unbekannten Welt – so haben es früher die Kartografen mit ihrer Terra Incognita gemacht. Zum anderen bei der Planung (Plan = Karte, siehe Stadtplan oder Bauplan) von neuen, zuvor nicht vorhandenen Welten: Eine Maschine, ein Prozess, eine Website. Denn eine Karte ist schnell gekritzelt und erzeugt in Windeseile diese neue Welt zum Ausprobieren. Wir sind gut darin, uns vorzustellen, wie es wäre, wenn wir tatsächlich dort wären und uns orientieren müssten. Darum geht es: Funktioniert mein schöner Plan – oder muss ich doch ein paar Wegweiser mehr aufstellen, Dinge anders arrangieren oder hier und da ein paar Stellschrauben justieren, um später die komplette Orientierungslosigkeit zu vermeiden? Eine gute Karte erlaubt Immersion, also das Empfinden von (nicht realer) Realität und damit das angst- und kostenfreie Ausprobieren von verschiedenen Möglichkeiten mit dem Ziel der anschließenden Verfeinerung. In den letzten Jahren haben sich eine Menge von Mappingtechniken in Kreativprozessen herausgebildet und werden von der Community systematisch getestet, optimiert und zunehmend in Kollaboration mit Auftraggebern eingesetzt.

Im folgenden geben wir einen kleinen Überblick über die aktuelle Landkarte der Landkarten:

User Story Map

Beim Story Mapping werden einzelne User-Tasks als Sequenz angeordnet dargestellt, um eine nachvollziehbare Gesamtgeschichte aus Benutzersicht darzustellen. Sie wird häufig in kleineren Einheiten hierarchisch gruppiert, etwa Epics, Activities, Tasks, Subtasks. Das Gesamtbild wird übersichtlich und prozessierbar. Story Maps regen an, über Details zu sprechen, an die vorher niemand gedacht hat.

Customer Journey Map

Dahinter steht der Grundgedanke, dass eine userzentrierte Sicht auf die einzelnen Kontaktpunkte von Marke und Benutzer sinnvoll ist und in der Regel stark davon abweicht, was der Betreiber/Entwickler einer Site gerne hätte. Ein Button mit der Aufschrift: »Jetzt Kunde werden« dürfte nicht die Bedürfnisse des Besuchers widerspiegeln, so gerne der Betreiber es auch sähe. Die Journey wird üblicherweise gegliedert in die Phasen Awareness, Consideration, Aquisition, Service, Loyalität und ist ein mächtiges Tool, um die Nutzererfahrung – gut wie schlecht – zu kartieren, zu verstehen und zu optimieren.

Experience Map

Die generische Form der Customer Journey – unabhängig von bestimmten Nutzertypen oder Produkten/Services. Dabei werden Phasen, Aktionen, Gedanken und Gefühle in Beziehung gesetzt. Die Darstellung erfolgt chronologisch. Geeignet, um der Frage nachzugehen, wie Menschen sich in bestimmten Situationen verhalten und welche Mindsets involviert sind.

Service Blueprint

Welche Rolle spielt das Verhalten der Mitarbeiter? Wie kann deren Interaktion die Nutzererfahrung verändern? Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle? Was läuft sichtbar ab, was hinter den Kulissen? Sozusagen das Gegenstück zur Customer Journey mit dem Blick auf die Mitarbeiter.

Empathy Map

Im Gegensatz zur datenbasierten Persona werden beim Empathy Mapping »weiche« Annahmen über die mutmaßliche Wahrnehmungs-, Gefühls- und Gedankenwelt von Benutzern getätigt, um adäquater auf die jeweiligen Anforderungen eingehen zu können. Dabei wird nach Aussagen, Gedanken, Taten und Gefühlen unterschieden. Zusätzlich wird gefragt, was die Zielgruppe im jeweiligen Kontext mag oder ablehnt (Pain & Gain).

Mind Map

Eine relativ alte Technik, die aber immer noch gut geeignet ist, um schnell hierarchische Systembeziehungen zu sammeln, zu sortieren und sichtbar zu machen. In der Realität häufig nur ein Eimer mit Zeug und Pfeilen. Aber manchmal hilft’s.

Product Roadmap

Der Begriff Roadmap – so gern ich ihn habe, denn er appelliert an meine Hobo-Gene – ist eigentlich Unsinn, denn es ist eine schlichte, lineare Timeline, die den geplanten Rollout von Produktfeatures aufzeigt. Die feinen Verästelungen von Straßenkarten sind hier in der Regel nicht zu finden, warum auch?

Venn Diagramm

Ein Klassiker (»Most things look better when you put them in a circle«), der logische Beziehungen aufzeigen möchte. Achtung, Blender: Drei Kreise führen nicht wirklich zu Erkenntnisgewinn. Und wenn es mehr Kreise werden, kann man’s auch gleich lassen.

Sitemap

Früher häufiger Bestandteil der Binnennavigation einer Website. Heute werden Sites und Apps eigentlich nur noch bei der Planung »sitegemapt«. Das Gefühl für »Alles« schreckt heute eher ab, und es wird im Einzelfall überlegt, welche von wenigen Anschlussoptionen in welcher Situation angeboten werden sollten. Weniger ist mehr. Ein Beispiel dafür, dass wir manchmal gar nicht wissen wollen, »was da noch alles ist«.

Wireframing (im Prinzip eine »Page Map«)

Ja, kann man machen. Meine Erfahrung ist jedoch, dass Wireframes so etwas sind wie Reports: Sie werden gefordert, aber niemand liest sie. Am Ende hat man einen Haufen Screens mit der schematischen Darstellung von Screens. Oder schlimmer: Ausdrucke mit Drahtmodellen, die Kopfschmerzen bereiten und Zeit, Geld und Nerven kosten. Es spricht nicht viel gegen ein paar Skribbles bei kniffligen Fällen, aber standardmäßig alle Seiten durchzuwireframen, ist selten effizient.

Heat Map

Visualisierungsmethode, um zum Beisiel Userverhalten auf Website zu analysieren. Dazu können quantitative Daten zu Klicks, Maus- oder Blickbewegungen (mittels Eye-Tracking) verwertet und dargestellt werden, um wichtige Elemente besser zu positionieren, um Defizite/Barrieren aufzudecken oder generell Userverhalten besser zu verstehen.

Dieser Artikel erschien auf unserem Postr Nr.11. Wer gern mehr lesen möchte kann es hier kostenlos bestellen.

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