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Oh nein, ein Design‐Gremium?

20. August 2018

Es gibt viele Meinungen zur Teamarbeit, aber nur eine Lösung. Lebe damit.

Was soll »Kommunikation« im Wort »Kommunikationsdesign«? Natürlich ist damit gemeint, dass wir Gestalter von Kommunikationsprozessen sind. Treffender wäre aber, dass wir kommunizierende Gestalter sind.

Konzept und Kreation sind nur die eine Hälfte des Jobs. Das Gespräch mit dem Team, mit Auftraggebern und Entscheidern, das gemeinschaftliche Erarbeiten einer Idee, das Argumentieren der eigenen Lösung – das sind die Herausforderungen in einer Agenturlandschaft, in der die Entwicklung immer mehr in Richtung Beratung geht.

Der Designer übernimmt zunehmend kommunikative Aufgaben und muss sich dabei vermehrt mit alten Klischees auseinandersetzen: Mit dem scheinbaren Gegeneinander von Agentur und Auftraggeber, mit dem Stereotyp vom unfähigen Kunden und divenhaften Gestalter. Der Endgegner in diesem Kommunikationsalptraum ist die »Gremiumsentscheidung« – das Design by Committee.

Gremiumsentscheidungen gelten als Todesstoß für effiziente und erfolgreiche Produkte. Die Geschichte ist schon tausendfach erzählt: Der Designer hatte die perfekte Lösung und das Gremium torpediert die Idee mit unverhältnismäßigen Anforderungen, schlechtem Geschmack und übertriebenem Geltungsdrang bis das Projekt total aus dem Ruder läuft. Was der Designer gut gemacht hat, zerstört das Gremium (YouTube: Designing The Stop Sign Video von TheMimeographer). Ohne Gremium sind alle besser dran.

Wäre die Situation tatsächlich so einfach, hätten die Projektmanager der Welt eine schlichte Lösung gefunden: Das Projekt alleine durchziehen, das Gremium umgehen.

Aber das Gegenteil ist der Fall. Man versucht, die Verantwortlichen möglichst früh in die Entscheidungsfindung einzubinden. Denn das Gremium ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. Auf die Expertise des Komitees zu verzichten, ist eine schlechte Idee. Dafür gibt es offensichtliche Gründe: wertvoller Input aus den verschiedenen Bereichen des Business, Akzeptanz bei den Stakeholdern, transparenter Projektfortschritt.

Wichtig wird das Komitee vor allem, wenn wir uns die Frage stellen »Wer ist wirklich der Kunde des Projekts?« Designer sehen sich als Anwälte des Users, Lesers oder Käufers und natürlich ist es ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Zielgruppe des Auftraggebers das bestmögliche Resultat zu sehen bekommt. Aber wer muss mit dem Projekt arbeiten, muss dahinter stehen und es multiplizieren? Der Auftraggeber und sein Team. Die Akzeptanz auf Seiten des Projektmanagers, des Redakteurs, des CEOs ist mindestens so wichtig wie auf Seiten der Zielgruppe.

Sollte der Designer sich also entspannt zurücklehnen, seine Meinung zurückhalten und dem Konflikt aus dem Weg gehen?

»He who pays calls the tune, even if they’re wrong, and even if they have poor taste. That is important to keep in mind.«

anonyme Antwort auf eine LinkedIn-Umfrage von Speider Schneider

Sind nicht alle zufrieden, wenn man zusammen den Weg des geringsten Widerstands geht? Besser nicht: Irgendwann muss sich jedes Projekt seiner Erfolgsstatistik stellen. Und spätestens dann zahlt sich aus, wenn jeder im Team für seine Überzeugungen eingestanden ist.

Es geht also darum, engagiert und kompromissbereit zu sein. Aber wie kommt man dahin? Die schlechte Nachricht: Es gibt keine einfache Lösung. Kommunikation ist immer eine Typenfrage. Es gibt Menschen, die sich besser verstehen als andere – und das wird immer so sein. Das Team bestimmt den Erfolg des Projekts.

Die gute Nachricht: Man kann an sich arbeiten. Es gibt ein konstruktives Mindset, das auf einer einfachen Frage basiert: Wo sind meine Kompetenzen? Ist es wirklich Teil meiner Qualifikation, das gerade angesprochene Problem zu lösen? Vertrete ich eine fundierte Meinung oder verteidige ich meine Position? Natürlich kann ich mich auch außerhalb meiner Wohlfühlzone einbringen, nur sollte ich mir dann angewöhnen, Fragen zu stellen, statt Anforderungen zu formulieren. Eine offene Frage gibt dem Experten die Möglichkeit, eine Lösung vorzuschlagen und zu argumentieren.

Speider Schneider

»The sensible answer is to listen, absorb, discuss, be able to defend any design decision with clarity and reason, know when to pick your battles and know when to let go.«

 

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